Donnerstag, 19. Januar 2012

Die BILD in jedem Briefkasten

Des Deutschen liebste Zeitschrift - die BILD - möchte angeblich jedem Haushalt eine BILD vor die Tür werfen.

Die deutsche Lieblingsprofession - die Juristerei - empfiehlt jedem Haushalt die BILD vorab darüber zu informieren, dass sie keine BILD haben möchte. Und wenn dann doch eine BILD vor der Haustür landet, dann könne man ja die BILD auf Unterlassung verklagen. In Anlehnung an die größten Massenpetitionen, die größten Verfassungsklagen, usw. wird so die größte Unterlassungsklagenwelle vorhergesagt bzw. herbeigewünscht.

Dass die Aktion der BILD noch nichtmal bestätigt ist - interessiert keine Sau.
Dass jedes "Ich will die BILD nicht"-Schreiben der BILD deine Adressdaten frei Haus liefert - geschenkt. Die BILD steht nämlich für Integrität und Zuverlässigkeit, und würde (bestätigte) Adressdaten niemals weiterverkaufen.
Und im besten Falle (Schreiben versandt, kein Adressdatenhandel, Einwurf der BILD) erwirbt man dann endlich die Möglichkeit auf Unterlassung zu klagen. Hurra.

Ihr wisst schon, dass mit so einer Klage Kosten verbunden sind? Die vom Kläger erstmal vorzuschießen sind? Und dass eben nicht garantiert ist, dass ihr die am Ende auch wieder vollständig erstattet bekommt? Schön, wenn ihr eine Rechtsschutzversicherung habt, die dann die Kosten trägt. Eventuell. Denn auch eine Rechtsschutzversicherung wird wenig Eigeninteresse daran haben, hier einen Rettungsschirm zu finanzieren.

Denn nichts anderes ist das hier: Ein Rettungsschirm für die notleidende Juristenprofession. Die einzigen, die daran verdienen sind die Anwälte.

Der Kleinspießbürger freut sich, es 'der BILD' reinwürgen zu können. Er übersieht aber, dass es für die BILD keinen Unterschied macht. (Die BILD hat ja sooo viel Angst vor Klagen, weshalb sie immer nur ganz vorsichtig publiziert) Die Gerichte werden geDoSt. Der Anwalt schreibt Schreiben.

Die Aktion selbst? Voller Erfolg. Ohne auch nur eine einzige BILD irgendwo einzuwerfen, geschweige denn zu drucken, ist es aktuell nicht mehr möglich Twitter oder Blogs aufzumachen, ohne von der BILD zu lesen. Ich bin keinen Deut besser: Wer bis hierhin gelesen hat, stolperte 16 Mal über den Namen.

Wie hätte man es besser machen können: Wenn die BILD vor der Tür liegt, sie dem Recycling zuführen. Der Shitstorm wäre von selbst entstanden, und hätte in die richtige Richtung gezeigt.

Stattdessen bleibt alles wie es ist: Jeder liest irgendwo BILD und jeder tut so als ob er drüber stehen würde - und heimlich macht man eben doch Werbung für sie. Habt ihr toll gemacht, bin stolz auf euch.

Kommentare:

  1. ABER ABER ..... der Sportteil ist schon wirklich der Beste bei der Bild

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  2. Das ist eine ganz schön billige Polemik, billiger als die Argumentation derjenigen, die Du hier angreifst. Dass es für die BILD keinen Unterschied macht, wenn ganz viele ihnen Ärger machen halte ich auch eher für 'ne Argumentation die so aus der Springerschen Nebelkerzenproduktion stammen könnte. Springer freut sich sicher, wenn viele darauf reinfallen und nix tun.

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    1. Falsch. Es ist BLÖD scheißegal, ob „viele ihnen Ärger machen“, weil es weder a) wirklich viele, noch b) wirklicher Ärger sein würde.

      Nebeneffekte s.o.: Gerichte beschäftigen sich mit Unfug, Anwälte verdienen sich dumm und dusselig. Spitze.

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    2. Ich les hier nur die üblichen Ausreden derjenigen, die zu faul oder träge sind sich zu engagieren. Da ist dann die Lieblingsbehauptung, daß es ja eh nix bringen würde, oder besser noch, daß man damit ja nur tun würde, was der Gegner will.

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    3. Ach, und so Wortspiele wie "BLÖD" sagen eigentlich nur etwas über den stark beschränkten Horizont derjenigen aus, die sich zu sowas hingerissen fühlen.

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  3. Wenn ich auf einem Parkplatz einen Werbezettel unter meinem Scheibenwischer finde und den dann auf dem Parkplatz entsorge, kann der Initiator der Zettel wegen Reinigungskosten zur Kasse gebeten werde. So was würde ich auch mit der Bildzeitung machen.. und wenn sich viele anschließen würden, läge der Dreck in allen Gassen. Das würde das Image der Zeitung wieder zurechtrücken.

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  4. Dieser Tipp mit der Klage hat ja bisher bei _einem_ Gericht geklappt. Ich sehe das hingegen analog zum Hausverbot bei Supermärkten und halte es für venire contra proprium factum.

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